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Reisebericht Frankreich
Mit dem Hausboot durch Aquitanien

Gebiet: Aquitanien
Reisezeit: 29. Mai bis 05. Juni 1999
Abfahrtshafen: Buzet-sur-Baise
Unsere Hausboot-Strecke:   Buzet-sur-Baise bis Abbaye de Tharan
Unser Hausboote: Ganche - Nérac - Larressingle


Die Flüsse und Kanäle unserer Urlaubs-Reise:

Canal latéral à la Garonne



Der Samstag auf dem Hausboot, 29. Mai 1999
Abfahrt 09.45 Uhr ab Gröbenzell. Ankunft 11.15 Uhr. Horst und Karin sind schon da. Die Hausboote liegen auch schon bereit, also gehen wir Einkaufen. Das 33 l Fässchen Wein nehmen wir nicht ganz, sondern nur 3,5 l. Wasser (gazeuse) darf’s etwas mehr sein. Beim Metzger gibt‘ kurz vor Schluss nur noch 4 Schweine- und 4 Lammkoteletts. Nach dem Barbesuch kommen auch schon Feths + Dreyers. Busser/Assner kommen gegen 15.00 Uhr. Die Hausboote sind picobello geputzt. Auch die Küchenausrüstung ist perfekt – sogar die Klobürste ist neu und Blumen stehen auf dem Tisch. Abfahrt nach der Einweisung um 17.00 Uhr. Um die Haarnadelkurve ist die erste Schleuse – wir könnten auch mit dem Pferdewagen weiterfahren – er steht an der Schleuse bereit. Wir kommen bis Vianne, wo Horst noch unbedingt durch die Schleuse will. Es ist 18.59 Uhr und die Schleusen funktionieren nur bis 19.00 Uhr. Zum Glück sind die Schleusen sehr pünktlich und wir können alle drei Hausboote am gleichen Platz ankern. Allerdings stehen verdächtige Typen am Ufer. Nach dem Abendessen Ortsbesichtigung von Vianne; Glasbläser – Bar: die Wirtin serviert Café on the rocks/Café Liègeois. Früh ins Bett. Alle sind müde. Das Wehr rauscht. Der Urlaub fängt an.


Der Sonntag auf dem Hausboot, 30. Mai 1999
Beim Brötchenhol-Spaziergang entdeckt Renate das Dornröschenschloss "La Roche". Eine Ferme de Lafitte (foie gras) ist ca. 3 km entfernt. Nach dem Frühstück radeln Karin, Käthe, Christa und Renate zum Schloss und weiter, um die Farm zu besuchen. Es geht leider immer bergauf. Aber mit nur FFR 50 in der Tasche lohnt sich der Farmbesuch nicht. Zurück über Berg und Tal nach Lavardac, wo die Hausboote schon angekommen sind. Duschen unterm Wasserschlauch. Heiß brennt die Sonne von Lavardac....entsprechend ausgestorben liegt es da. Die Geschäfte sind zu. Eis gibt es nur, weil die Confiserie-Besitzerin das Nachbargeschäft für uns öffnet. In der Kirche ist es kühl. Doris zündet für uns alle eine Kerze an. Leider denkt keiner daran, die Mühlen des Henry IV aus dem 12. Jh. In Barbaste an der Gelise ganz in der Nähe zu besichtigen. Flussauf kommen viele Schleusen und schöne Schleusen-Wärterhäuschen. Die Schleusen sind automatisch. Keine Gelegenheit für Josef, mit der Schleusen-Wärterin zu flirten.

Nérac – malerisches Städtchen mit altem Gerberviertel. 2 schöne Kirchen. Der Nordflügel des Schlosses von Henry dem IV ist noch erhalten. Ausserdem gibt’s Duschen und Klos. Wir disponieren um von Grillen auf Essen gehen im Hafenrestaurant. Josef organisiert die Vorbestellung. Es ist heiß. In der Bar werden so exotische Getränke wie Campari-Orange geordert. Gerhard drückt die Last der Verantwortung die Augen zu. Essen um 21.00 Uhr. Heute ist Muttertag in Frankreich (Fête de maman); die Restaurants sind überlastet. Disco-Besuch der Oldies um 23.00 Uhr muss leider ausfallen – geschlossen. Auch die Jugend findet keine Disco.


Der Montag auf dem Hausboot, 31. Mai 1999
Die Gache-Besatzung war 3 x beim Einkaufen und wieder kein Brot. Weiterfahrt nach Moncrabeau, der Stadt der Lügner. Mittagsschläfchen für alle nach der anstrengenden Schleusen-Fahrt, besonders für die Frauen auf dem Château de Gache, weil alle Kinder auf dem Château de Nérac sind. Fahrradfahrt mit Doris, Karin und Renate entlang der Baise. Karl-Heinz joggt den Weg in umgekehrter Richtung. Der Schrecken auf dem Weg: eine riesige Giftschlange. Zum Glück ist sie tot – überfahren. Während die Frauen das Essen richten und die Kinder den Grill anwerfen, versammeln sich die Männer zum therapeutischen Stuhlkreis mit altem Naturheilmittel aus Klöstern. Seilhüpfen mit dem Bootstau. Lagerfeuer. Mathias schläft draußen, die anderen Kinder treibt ein unheilschwangerer Himmel ins Hausboot.


Der Dienstag auf dem Hausboot, 01. Juni 1999
Moncrabeau das Lügnerdörfchen, auf einem Hügel gelegen mit öffentlichem Garten und Aussichtsterrasse. Auf dem Lügnerpfad stehen Tafeln mit wunderhübschen Ortsgeschichten: Früher war Moncrabeau ein bedeutender Hafen mit Sklavenhandel. Durch außergewöhnliche Gesteinsformation lag der Hafen 14 m über dem Wasser. Das Wasser reichte in früherer Zeit bis an die Brüstung der Aussichtsterrasse (es war die Hafenmole). Bei klarem Wetter (Breche de Roland) kann man den Leuchtturm von Gibraltar sehen. Früher wurde im Ort Menthe (Minze) angebaut. Durch einen Sandsturm wurde die Menthe (Minze) vernichtet und die Mentheure (Minzbauern) waren ruiniert. Als sie ihr Unglück berichteten, glaubte ihnen keiner. So entstand das Wort Menteur (Lügner) und Moncrabeau wird fälschlicherweise als das Lügnerdörfchen bezeichnet. Auf dem Platz des kleinen Lügners steht der Lügnersessel aus Stein. Darüber hängt der diebstahlsichere Briefkasten. Auch die Kirche mit ihrem eigenartigen Glockenturm ist beeindruckend, vor allem morgens bei Sonne. Dann fangen sich blaue Lichtstrahlen in der Kirche.

(Anm. "Der Freizeit-Kapitän": Da Moncrabeau nun sowieso als Dorf der Lügner gilt, gibt es jährlich einen Wettbewerb, wer das beste und glaubhafteste (!) Lügenmärchen erzählt...)

Condom: Halt + Einkauf kurz vor 12.00 Uhr. Für "Larressingle" und "Gache" geht’s noch mit dem Rucksack, aber die Mannschaft der "Nérac" fährt mit dem Einkaufswagen zum Schiff! Es ist heiß am Hafen. Weiterfahrt Richtung Valence-sur-Baise, vorbei am schönen Freizeitpark. Schleuse mit Schleusenwärter und Fragebogen. Besichtigung des Zisterzienserklosters "Abbey de Floran". Filmvorführung sowie Rundgang: Innenhof, Kirche, Kräutergarten, Toiletten (sehenswert!), Schlafgemächer im 1. Stock. Die nächste Schleuse (mit Wärter) lässt ewig Wasser ab und geht nicht auf. Wir drehen um, weil wir heute noch zurück nach Condom wollen. Es geht flussabwärts. Für manche zu schnell. Für manche geht’s rund – Karussellfahrt auf der Baise. Wir legen wild am Freizeitpark an, denn eine Anlegestelle ist nicht vorgesehen. Hans kämpft sich durch die Brennnesseln. Spontaner Stuhlkreis der Männer – Abendessen. Unter Donnergrollen nach Condom – Feuerwerk? Kaum in der Bar, bricht der Wolkenbruch los. Bis wir heimgehen, ist’s wieder trocken. Welchen Weg nehmen wir? Mathias und Daniela sind im Wolkenbruch gejoggt.


Der Mittwoch auf dem Hausboot, 02. Juni 1999
Daniela hat Geburtstag. Die "Nérac" ist schon zum Hausboot-Hafen weitergefahren. Karin und Gerhard holen Baguette und Croissant. Heute ist Markt in Condom. In der Markthalle gibt’s lebende Hühner, Küken und Kaninchen. Draußen werden Hühnchen, Haxen und Wachteln gegrillt. Einkäufe: geräucherte Entenbrust, getrocknete Pflaumen (Agen ist das Pflaumen-El Dorado), Pont l’èvêque-Käse, Oliven. Die Kirche ist imposant mit schönen, großen Fenstern. Sehr hell. Es hat schöne Geschäfte, leider sind alle um 12.00 Uhr zu. Karin und Renate kaufen Karten vom Château de Larressingle und eine Rezeptkarte für "Confit de Canard ou d’oie" (Enten- bzw. Gänseconfit. Rezept am Ende dieses Logbuchs).

Um 14.30 Uhr macht das Armagnac-Museum auf. Besichtigung. Hans und die beiden Renates fahren mit dem Fahrrad zum Château de Larressingle, ca. 5 km entfernt. Grosse Burganlage. Wir sind ganz allein dort. Auf dem Rückweg kaufen wir noch den entsprechenden Armagnac. Die Museumsbesucher sind noch nicht zurück, sie kaufen noch Armagnac mit Führung. Die beiden Renates kaufen noch ein Kleid für Daniela zum Geburtstag. Wir fahren alle Schleusen wieder durch bis Moncrabeau. Legen neben etwas abweisenden Schweizern an. Kochen endlich unsere Maultaschen mit Kartoffelsalat (die anderen grillen). Als Vorspeise gibt’s Artischocken. Essen im Freien. Daniela bekommt ein Geburtstagsständchen und einen süßen Luftballon überreicht. Feuerwerk. Die Luft wir feucht und kalt und kälter. Jetzt werden unsere Goretex-Jacken hervorgeholt. Die Kinder spielen "Schwarzes Auge" am Lagerfeuer – ein Käuzchen schreit. Überraschung am späten Abend: Christa und Käthe servieren Glühwein und Lebkuchen!


Der Donnerstag auf dem Hausboot, 03. Juni 1999
Wieder zum freundlichen, aber etwas schmuddeligen Bäcker in Moncrabeau. Beim Rathaus gießen sie gerade die Blumen. Keine Prospekte von den Lügengeschichten vom Lügnerpfad. Der Waschplatz wird nicht mehr genutzt. Das Wasser ist nicht mehr trinkbar. Er verfällt – schade. Ca. 10 ältere Schulkinder waren an der Bushaltestelle. Das Freibad hat nur im Juli und August geöffnet. Auf dem Friedhof gibt’s die gleichen Marmor-Familiengräber wie in Sète. Nach dem Frühstück Abfahrt nach Vianne. Kurzer Halt in Nérac zum Einkaufen. Danach gibt’s Schokoladencrèpes für die Kinder. Ankunft mit unserem Hausboot in Vianne – Stuhlkreis der Männer. Renate radelt in die Berge, Karin kocht Spaghetti. Auf "Nérac" gibt‘s "Spargel italiennes": Spargelstücke in Olivenöl braun braten, mit Balsamico und Nudelkochwasser ablöschen, garen, Parmesan und Butter unterziehen, mit Basilikum bestreuen. Dazu Nudeln. Der Spaziergang danach ist enttäuschend: alles geschlossen, keiner auf der Strasse. Wir feiern Günters Geburtstag mit Kir Royal auf dem Hausboot. Er bekommt auch einen süßen Luftballon.


Der Freitag auf dem Hausboot, 04. Juni 1999
Miriam war als erste beim Bäcker. Sie lässt Renate nur noch 2 Croissants, denn das Nachbarboot braucht trotz bester Diätvorsätze täglich 14 (!!) Croissants. Bussers und Assners fahren früh los, um Agen zu besichtigen. Die anderen fahren nach Damaszan. Man kommt ohne Schleusen hin und zwar auf dem Canal du Midi. Es ist sehr vertraut, wieder unter den großen Platanen durchzufahren, auf fast stillem Wasser. Alle sind so beschäftigt, dass wir am Hafen von Damaszan vorbeifahren und erst stutzig werden, als eine Schleuse auftaucht. Damaszan überrascht mit einem schönen Marktplatz und einem Rathaus auf Arkaden. Einzelne schöne Fachwerkhäuser. Schön angelegter Rosenhang zum Hafen hin. Einkauf von Erdbeeren beim Bauern. Wir legen in Buzet bei unsren Autos kurz vor 19.00 Uhr an. Reicht es noch für einen Besuch auf dem Markt in Vianne? Die Männer meinen "Nein" – die Frauen fahren los. 10 Min. bis Vianne. Sie besuchen zuerst die Abschiedsfeier des Leiters des Postamtes, der in Ruhestand geht. Dann lädt der Bürgermeister sie zum Wein ein. Ein Freund, Sudetendeutscher, wird als Übersetzer hergebeten. Die Presse ist auch da und macht Fotos. Die zwei Klarinettisten mit Frauen sind auch da. Sie spielen ein Ständchen. Es gibt Austern. Renate und Doris holen die Männer. Die haben inzwischen in Buzet die zwei Restaurants abgeklappert und keinen Platz mehr bekommen. Wir essen auf dem Markt Ente oder Paella und kaufen anschließend Wurst, Birnenlikör und Käse. Die Hausboote nehmen uns ein letztes Mal zur Nachtruhe auf.


Der Samstag auf dem Hausboot, 05. Juni 1999
07.00 Uhr Aufstehen. Frühstücken, Putzen. Wie sauber müssen die Hausboote abgegeben werden? Übergabe problemlos, aber die Gläser werden nachgezählt. Gegen 09.30 Uhr sind wir abfahrbereit. Wein können wir leider keinen mehr mitnehmen, unser Kofferraum ist voll. Wir sehen Horst und Karin auf der Autobahn und besichtigen Carcassonne zusammen. Dann geht’s endgültig heim. Ankunft in Gröbenzell Sonntag um 01.00 Uhr. 1.440 km!! Es war wieder wunderschön. Was machen wir nächste Pfingsten?


Rezept für Confit
Die Ente oder Gans in 4 Teile zerlegen. Einsalzen und 24 Std. ruhen lassen. Inzwischen das Gänse-/Entenfett auslassen: Das Fett in kleine Stücke schneiden und bei kleiner Hitze braten ( ½ Glas heißes Wasser zufügen, das Fett schmilzt dann schneller). Die Fleischteile in dem Fett bei geringer Hitze mehr dünsten als braten (1 bis 1 ½ Std). Gut abtropfen lassen. Entbeinen und die Stückchen in mehrere kleine Töpfe füllen. Das Fett durch ein Tuch passieren und gut dekantieren, damit kein Fleischsaft dazukommt. Die Fleischstückchen damit völlig Übergießen. Reicht das Fett dazu nicht aus, erst fest werden lassen und dann mit lauwarmem Schweineschmalz voll füllen. Fest werden lassen und kalt aufbewahren. Das Confit in mehrere kleine Töpfchen gefüllt hält sich lange Zeit. Angefangene Stückchen müssen jedoch rasch verbraucht werden.


Dieser Bericht erreichte uns von:
Gerhard Busser und seiner 20-köpfigen Crew. (verteilt auf 3 Hausboote)


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