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Reisebericht Mecklenburg-Vorpommern
Hausboot-Ferien in Deutschland

Gebiet: Mecklenburg-Vorpommern
Reisezeit: Mai 2004
Ausgangs- und Endhafen: Lübz
Zwischenstationen: Plau, Malchow, Waren, Röbel
Unser Schiff: Nicols 1000 mit Namen "Koblenz"



Tag 1
Die "Besatzung" reiste mit 2 PKW an - Eltern und Tante kamen aus dem Süden der Republik, die "Kinder" Mit der Nicols 1000 durch Mecklenburg (52 und 46 Jahre alt!!) aus Nordrhein-Westfalen.

Der Kapitän besaß den "Sportbootführerschein Binnen" - damit entfiel für uns also die ansonsten notwendige, ca. 3-stündige (!) Einweisung für "Nicht-Führerschein-Inhaber".

Trotzdem wurde uns das Schiff genauestens erklärt und wir erhielten darüber hinaus "sachdienliche Hinweise" für Restaurants, Besichtigungs-Schönheiten und vieles mehr.

Das Schiff war blitzblank geputzt und überraschte mit einem wirklich großzügigen Salon mit integrierter Küchenzeile. Die "Kapitänskabine" war den Eltern zugedacht. Dass die zweite Kabine keine Stehhöhe und die Dritte nur teilweise Stehhöhe hatte, hatten wir schon im Voraus gewusst. Wir hatten sogar überlegt, ob wir anstelle der "Schlupfkabine" den Salon als Schlafgelegenheit nutzen wollten. Die Kabinen entpuppten sich aber als viel geräumiger und angenehmer, als wir gedacht hatten - die Salonvariante ließen wir damit natürlich entfallen.

Wir nutzten den Samstag nur für eine kleine Runde im Hafenbecken, beluden in aller Ruhe das Schiff und entschieden uns, erst am nächsten Morgen die Reise Richtung Seenplatte anzutreten.

Und damit auch wirklich gar keine Hektik aufkam lud der "Kapitän" zum Nachtmahl in die "Eldeterrassen" in Lübz ein - ein gelungener Anfang!!


Tag 2
Alle hatten zwar gut geschlafen, waren aber aufgrund ungewohnter Umgebung schon gegen 08.00 Uhr wach. Frühstück an Bord. Gegen 10.00 Uhr Ablegemanöver. Der Basisleiter von NICOLS Lübz war so nett und kündigte uns bei der ersten Schleuse an. Dort gaben wir auch an, dass wir bis Plau am See fahren wollten. Die Schleusenwärterin benachrichtigte freundlicherweise die Folgeschleusen, so dass wir kaum Wartezeiten hatten.

Vom Fahrgefühl war es so wie in Frankreich - ein schöner Kanal mit Baumbestand und viel Grün. Das Wasser erschien uns sehr sauber. Die ganze Gegend wirkte sehr friedlich, ländlich und erholsam. Andere Schiffe begegneten uns kaum.

Mittagessen wurde an Bord zubereitet. Es gab Linseneintopf und Brot. Da die Temperaturen noch sehr niedrig waren und wir zum Teil auch Regenschauer über uns ergehen lassen mussten, war die warme Suppe genau richtig, um die Lebensgeister wieder zu erwecken.

Wir wussten, dass wir bis Plau 4 Schleusen und eine Hebebrücke passieren würden. Alles klappte hervorragend - die Hebebrücke war natürlich ein echter "Hingucker" - vor allem auch für die Leute, die vor und hinter der Brücke warteten, dass wir endlich durch waren...

So gegen 16.30 Uhr waren wir in Plau angelangt und fanden im Hafen auch einen schönen Liegeplatz. Das Anlegemanöver (rückwärts!!) klappte prima.

Den Abend ließen wir mit einem Rundgang in Plau ausklingen - noch ein wenig Erzählen - dann waren alle müde.

Um ein wenig einen Überblick zu haben, wo wir langfahren, nachfolgend eine Karte zur Orientierung:


Tag 3
Nun erwartete uns der Plauer See - unser erster größerer See. Der Plauer See ist komplett befahrbar - es gibt nur einige Uferzonen, die in der Karte als Naturschutzgebiet markiert sind und in die man nicht einfahren darf. Gelbe Bojen zeigen das entsprechend an.

Wir hatten uns vorgenommen, ein wenig am Ufer entlang zu fahren und dann in einem schönen Fischrestaurant, das am Nordende liegen sollte, Rast zu machen.

Der See war entschieden größer, als wie vermutet hatten. Es war zwar kaum Wind, aber man merkte durchaus, dass die Wellen Kraft entwickeln konnten. Das andere Ufer war immer sichtbar, aber wir merkten, wie schwer uns die Orientierung fiel - wir mussten schon auf die Karte schauen und die Beschriftungen der Bojen lesen, um prüfen zu können, wo wir uns befanden.

Auf jeden Fall fanden wir das Fischrestaurant, legten wieder wunderbar an und genossen Welz, Zander und Aal!

Drehbrücke Richtung Malchow Nachmittags fuhren wir weiter Richtung Malchow, wo uns eine Drehbrücke erwartete. In der Karte stand schon (Und die Basis in Lübz hatte uns das auch gesagt), dass diese Brücke nur jeweils zur vollen Stunde öffnet. Als wir näher kamen, stellten wir fest, dass mit uns noch andere Schiffe warteten - alle kreisten wie die Geier in einer Art "Wartezone", um auf das erlösende Hupsignal zu warten, das uns die freie Durchfahrt anzeigen würde. Wenn man passiert, lässt der Brückenwärter einen Kescher zum Schiff hinunter und man wird gebeten, einen Obulus für die Erhaltung der Brücke zu geben. Auf dem Bild sieht man das denkmalgeschützte Werk.

Wir besichtigten Malchow und übernachteten am Wasserwanderrastplatz nahe beim Kloster.


Tag 4
Nach ruhiger Nacht machten wir uns am nächsten Morgen auf, den Fleesensee und Kölpinsee zu passieren, um die Müritz mit Zielhafen Waren anzusteuern. Auf der Karte sieht das so aus:

Die Überfahrt klappte problemlos und mit Waren erwartete uns ein fast südländisch anmutender Hafen mit Hafencafés, Spielbank, Markt und was das Herz so begehrt.


Tag 5
Nach erholsamer Nacht machten wir uns auf, den Müritzsee zu passieren, denn wir wollten Röbel ansteuern. Das Wetter schien prächtig zu sein - zwar kühl und ein wenig bedeckt, aber nahezu windstill. Unsere Anlegenachbarn der vergangenen Nacht hatten uns allerdings erzählt, dass sie selbst eine "holprige" Überfahrt der Müritz hinter sich hätten.

Nun ja, wir legten frohgemut ab. Eine größere Seenfläche kannten wir ja nun schon vom Plauer See. Mit der Nicols 1000 durch Mecklenburg Und nach Sicht fahren würde ja wohl auch kein Problem darstellen. Dachten wir. Irgendwann sahen wir kein Ufer mehr. Und die Bojen hatten wir uns auch nicht so genau angesehen. Andere Boote waren in weiter Entfernung. Dann sahen wir eine "fette", rote Boje. Die Karte belehrte uns, dass das nur "Müritz Mitte" sein konnte. Schade aber auch - so weit in der Mitte hätten wir eigentlich gar nicht fahren wollen! Das nennt man wohl "vom Kurs abkommen"!! Wenigstens wussten wir nun wieder wo wir waren, bogen nach rechts ab und erreichten Röbel. Am Stadthafen wurde allerdings gebaut, so dass wir dort gar nicht anlegen konnten. Außerdem schien sich die Sonne immer weiter zu verziehen, es wurde deutlich kühler, feuchter und irgendwie auch unangenehmer.

Wir beschlossen, nur eine Minimalpause am Seglerhafen in Röbel einzulegen und die Rückfahrt so schnell wie möglich anzutreten. Geschätzte Fahrzeit bis zum Ausgang des Sees: 3 Stunden.

Diese Planung war auch gut so. Als wir wieder auf Höhe "Abzweig in Kölpinsee" (oberhalb von Klink) angelangt waren und einen Blick hinter uns warfen, trauten wir unseren Augen nicht: wir hatten noch eine Sichtweite von ca. 100 Metern!! Gott sei Dank war immer noch kein spürbarer Wind vorhanden, so dass wir beschlossen, unsere Fahrt möglichst bis Malchow fortzusetzen, um dort wieder zu übernachten.


Tag 6
Frühmorgens, so gegen 05.00 Uhr, wurden wir wach. Es hörte sich an, als ob eine Horde über unser Schiffsdeck laufen würde. Außerdem hörten wir Wasser plätschern, als würde jemand eine riesige Badewanne einlassen. Wir kuckten nach - es war aber nur der Wind, der im Hafen die Wellen ein wenig in Schwung brachte, so dass diese gegen unsere Bordwand stießen. Vom Nachbarschiff hatte sich ein Kanu losgerissen und pochte ebenfalls gegen unsere Bordwand.

Da nun die Ursachen geklärt waren, legten wir uns noch mal hin. Gegen 09.00 Uhr wurden wir von lautem Rufen geweckt. Unser Nachbar hatte sich entschlossen, abzulegen. Da der Wind jedoch kräftig gegen den Anlegesteg drückte, war das Manöver gar nicht so einfach. Mit vereinter Kraft gelang es jedoch, das Schiff "in Fahrt" zu bringen. Wir hatten dadurch gelernt, dass wir am besten eine Zusatzleine anbringen sollten, um "die Kurve" besser zu bekommen. Mit diesem Trick klappte das Ablegemanöver dann auch einwandfrei.

Wir nahmen wieder Kurs auf den Plauer See, weil wir noch mal den guten Fisch versuchen wollten. Wider Erwarten war die Überfahrt ganz ruhig - der Wind hatte sich gelegt und zeitweise lugte sogar eine strahlende Sonne durch die Wolken.

Abends machten wir wieder in Plau fest.


Tag 7
Auf der Terrasse Frisch gestärkt machten wir uns auf zur letzten Etappe, dem Rückweg nach Lübz. Die Sonne zeigte sich von ihrer besten Seite, so dass wir die Landschaft bei unserer Mittagspause an Bord auf unserer Terrasse (!) genießen konnten.

Zum Ausklang der Reise luden die Eltern zum Abschiedsessen ein.


Tag 8
Rückblickend stellten wir gemeinsam fest: Das war die schönste Reise! Die Anlegemöglichkeiten waren zwar nicht so umfassend wie z. B. in Frankreich, aber die wunderbare Landschaft und die sauberen Gewässer entschädigten dafür reichlich. In Bezug auf die Anlegegebühren ist man in Mecklenburg auch nicht gerade kleinlich - pro Nacht mussten wir zwischen € 10 und 15 bezahlen. Nun gut, dafür waren die Hafenanlagen, Sanitäreinrichtungen etc. tipp topp in Ordnung...

Nach einem letzten Frühstück und "Aufklaren" verließen wir wehmütig unser Schiff. Wir wären gern noch geblieben!


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